Die Meenzer Fassenacht – ein Spektakel ohnegleichen

Einmal im Jahr platzt die Mainzer Innenstadt aus allen Nähten, das öffentliche Leben ruht. Sowohl Bewohner als auch Besucher benehmen sich noch ausgelassener, als sie es ohnehin schon tun – klar: die Rede ist vom Rosenmontag, der im Rheinland allgemein und insbesondere in der Domstadt Mainz beinahe so wichtig ist wie Weihnachten und Ostern
zusammen.

Natürlich erfreuen sich an den tollen Tagen nicht nur jene, die aktiv am närrischen Treiben teilnehmen, sondern – obwohl sie vermutlich die einzigen sind, die in der fünften Jahreszeit arbeiten müssen – auch die Gastromen und Lieferdienste, denn zu keinem Anlass machen diese ein besseres Geschäft. Aber woher kommt dieses für das Rheinland so charakteristische Brauchtum eigentlich?

Die lange Tradition des Karnevals

Die Mainzer haben die Fastnacht nämlich nicht erfunden (auch wenn manche das bestreiten würden) und ebenfalls geht es beim Karneval, entgegen anderslautender Klischees, nicht nur um Völlerei und Alkoholmissbrauch. Im Gegenteil, in ihren Ursprüngen ist die Fastnacht eine hoch politische Angelegenheit; so begangen schon die antiken Römer die Saturnalien, ein Fest zu dem die gewohnte Gesellschaftshierarchie auf den Kopf gestellt wurde (d. h. einmal im Jahr bedienten die Herren ihre Sklaven, anstatt umgekehrt) und auch das Mittelalter kannte vergleichbare Festtage (so wurde beispielsweise nach Weihnachten in den Burgen ein Kinderbischof und – sehr zum Leidwesen der klerikalen Obrigkeit – in den Klöstern ein Pseudopapst für jeweils einen Tag gekürt). Und auch in der Kunst hat die Fastnacht ihre Spuren hinterlassen, zumindest nach Ansicht einiger Literaturwissenschaftler, die die Entstehung des Romans in karnevalesken

Diese Ursprünge sind heute noch sichtbar – gerade im Mainzer Karneval, der sich mit den liebevoll gestalteten Wagen und in den Büttenreden ja immer auch politisch gibt und die Führungseliten der Republik aufs Korn nimmt.

Ein kleiner Tipp

Wer sich jetzt schon wieder auf die am 11.11. um 11.11 Uhr beginnende fünfte Jahreszeit freut, auf den Wein, den Glühwein und das Bier, die zur Meenzer Fassenacht so reichlich strömen, dem sei allerdings ans Herz gelegt vor dem Feiern eine gute Grundlage zu schaffen, denn einen vollen Magen braucht es schon, wenn man das närrische Treiben unbeschadet überstehen will – dafür zu sorgen allerdings, sollte in der fidelen Stadt am Rhein nicht schwer fallen.

Über Schambes

Ich bin Klaus Müller-Stern, war vor drei Jahren exakt 2x 11 Jahre jung. In Mainz geboren bin ich nicht, aber auch nicht in Wiesbaden! Seit 12 Jahren lebe ich hier und bin jedes Jahr in der Kampagne dabei. Als Mitautor in diesem Online-Magazin lasse ich meiner Begeisterung für die Mainzer Fastnacht freien (närrischen) Lauf.

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